Worauf muss ich beim Kauf eines Sicherheitstresors achten?

Der Gedanke einen Wertschutztresor zu kaufen kann verschiedene Ursprünge haben. Mal ist der Grund eine unerwartete Erbschaft oder ein teures Geschenk, mal ist es die Sorge um die eigenen Bargeldbestände. In allen Fällen ist es der Wunsch nach mehr Sicherheit für die eigenen Wertgegenstände.
Möchte man sich dann einen Überblick auf dem Tresormarkt verschaffen, wird man schnell mit Werten, Normen, Widerstandgraden und Sicherheitsstufen überladen. An diesem Punkt wollen wir zu etwas mehr Klarheit beitragen!
Grundsätzlich gilt die Regel, je höher der Wert ist, der aufbewahrt werden soll, desto höher muss auch die Sicherheitsstufe / Widerstandsgrad des Wertschutztresors sein. Durch Normen und Zertifikate wird festgelegt, welche Versicherungssumme maximal im Tresor gelagert werden sollte.
Stellt sich also die Frage: wie ist ein Tresor aufgebaut und welche entsprechende Sicherheit bietet er?

Wie sind Einbruchschutztresore aufgebaut?

Maßgeblich für den Schutz den ein Tresor bietet ist logischerweise der Aufbau. Doch was unterscheidet einen leichten Sicherheitssafe von einem schweren Wertschutzschrank?
In erster Linie ist es der Korpus, genauer gesagt die Wandungen. Durch verschiedene Materialien, wie zum Beispiel Metalllegierungen oder Stahl-Beton-Kombinationen sind diese so gestärkt, dass sie einen möglichst hohen Kraftaufwand standhalten. Raffinierte Inlays, zum Beispiel gehärtete Stahlkugeln, lassen das Aufbruchswerkzeug schnell verschleißen.
Neben dem Tresorkorpus steht das Schloss im Mittelpunkt. Auch diese werden in verschiedene Klassen als Hochsicherheitsschlösser getestet und zertifiziert. Aus sicherheitstechnischer Sicht sei angemerkt, dass sowohl Schlüssel- als auch Elektronikschlösser in den verschiedensten Sicherheitsstufen verfügbar sind. Beide Varianten sind gleich sicher!

Wer testet und zertifiziert die Tresore?

Nun kann ein ausgeklügelter Materialmix sich gut anhören, doch viel wichtiger ist, dass er auch hält was er verspricht. Hier kommen vor der Marktzulassung der Tresore die unabhängigen Zertifizierungsstellen ins Spiel. In Deutschland gibt es zwei weltweit renommierte Institutionen für Sicherheit und Zertifizierungen. Dies ist zum einen der Verband der Sachversicherer, besser bekannt unter seiner Abkürzung VdS und zum anderen die ESSA in Frankfurt die das European Certification Body – Security Zertifikat, kurz ECB.S, ausgibt. Zu den Aufgaben gehört die Überwachung der Produktion und eine abschließende Testreihe, zu der auch Verankerungseigenschaften, Montage und Betriebsfähigkeit der Tresore gehören.
Beide Unternehmen sind staatlich akkreditiert und dürfen Prüfzertifikate und Gütesiegel zum Schutz gegen Einbruchdiebstahl gemäß der gängigen Europäischen Normen verteilen. Die Prüfnormen sind einheitlich, so dass es keine qualitativen Unterschiede zwischen den Siegeln beider Institute gibt.
Doch als Kunde stellt sich natürlich die Frage: Was bedeutet das jeweilige Zertifikat?

Was sind Widerstandsgrade und Sicherheitsstufen?

Widerstandsgrade und Sicherheitsstufen legen fest, wieviel Aufwand betrieben werden muss, einen Wertschutztresor ohne Schlüssel oder Code gewaltsam zu öffnen. Der Faktor Zeit spielt hierbei die wesentliche Rolle. Je länger der „Panzerknacker“ braucht, um mit mechanischen, elektrischen und thermischen (Hitzeeinwirkung) Werkzeugen den Safe zu öffnen, umso höher ist der Widerstandgrad. Gemessen wird dies in „resistant units“ (kurz RU) den sogenannten Widerstandseinheiten.
Zusätzlich wird hierbei noch unterschieden in Teildurchbruch (händisches Eingreifen ist möglich) und Volldurchbruch (man kommt an das komplette Innenleben des Tresors). Eine genaue Zeitumrechnung der RU-Werte wird von den Prüfstellen aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht (um den „Langfingern“ keine hilfreichen Informationen zu verraten).

Sicherheitsstufe und Widerstandsgrad – Was bietet welchen Schutz?

Was ein Tresor kann und was nicht, lässt sich nicht am Design oder Namen festmachen. Wichtig ist was auf der Plakette auf der Türinnenseite steht.
Bevor wir auf die aktuellen Abstufungen eingehen, ein kurzer Hinweis zu den immer noch präsenten VDMA 24992 Sicherheitsstufen A und B: diese sind nicht mehr zeitgemäß und entsprechen nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards. Alte Wertschutzschränke mit diesen Zertifikaten können selbstverständlich weiterverwendet werden, jedoch empfiehlt sich eine Rücksprache mit Ihrer Versicherung bezüglich des Versicherungsschutzes.

Sicherheitsstufen (S1 und S2) und die Euronorm EN 14450

Die EN 14450 Sicherheitsstufen gehören zu den niedrig klassifizierten Standards. Sicherheitstresore mit einem S1 oder S2 Siegel bieten jedoch einen ordentlichen Schutz für den privaten Gebrauch. Dieser wird auf 30 RU für einen Teilzugriff ausgestellt und einen deutlich höheren Wert von bis zu 80 RU für einen Vollzugriff bei einem S2 Safe.
Aufgebaut ist die Euronorm 14450 bis Sicherheitsstufe S6 (mit 400 RU bis zum Vollzugriff), allerdings sind lediglich S1 und S2 im Handel gängig. Bei höheren Schutzanforderungen greift man zumeist auf die nächste Norm zurück.
Stiftung Warentest hat für Tresore mit der Norm EN 14450 einen Testbericht herausgegeben: https://www.test.de/Test-Tresore-und-Safes-5243581-0/

Widerstandgrade und die Norm: EN 1143-1

Die europäische Norm EN1143-1 ist am weitesten verbreitet, da diese auch nach gewerblichen Aspekten zertifiziert und somit den Standard für Tresorzertifizierungen darstellt. Es gibt Abstufungen von Widerstandsgrad 0 bis 7.
Wertschutzschränken, die anhand dieser Norm zertifiziert wurden, verfügen über einen mehrwandigen Korpusaufbau, der auch flammenhemmende Chemikalien (gegen thermische Aufbruchversuche) oder auch exotherme Stoffe bei höheren Widerstandgraden (die quasi einen Gegenangriff gegen den Panzerknacker einleiten und diesen verletzen können) beinhalten kann. Der Widerstandgrad VII sagt zu dem aus, dass ein Tresor auch Explosionen standhalten kann.
Verpflichtend ist die Vorrichtung von Verankerungsbohrungen und die Beilage von entsprechenden Verankerungsmaterialien. Unterhalb eines Eigengewichtes von 1.000 Kg ist eine Verankerung dringend zu empfehlen. Versicherungen haben in der Regel individuelle Gewichts-Grenzwerte, so kann es in der Praxis auch schon einmal vorkommen, dass diese ab einen Gewicht von 300 Kg keine Verankerung als zwingend notwendig erachtet.
Tresore mit Widerstandgrad nach EN 1143-1 bieten übrigens auch immer einen leichten Feuerschutz.
ACHTUNG: eigene Bohrungen oder Veränderungen am Tresor können jeglichen Schutz beeinflussen und der Versicherungsschutz verfällt! Daher sprechen Sie individuelle Wünsche immer mit dem Händler oder Hersteller ab.
Zur Einordnung der Widerstandgrade sind auch gesetzliche Werte hilfreich: Ab Widerstandgrad 0 nach EN 1143-1 dürfen Waffen aufbewahrt werden, ab Widerstandgrad I ist die Aufbewahrung von Betäubungsmitteln erlaubt.

Und was heißt das nun? Ein Werte-Beispiel

Eine einfache Rechnung zum Verständnis für Sie: Versicherungssumme ist der der geldliche Wert in Zahlen, welche die Versicherung bereit ist abzusichern. Das heißt, wenn Sie einen Bargeldbestand von 30.000 € im Haus haben und noch Schmuck im Wert von 2.000 € dazulegen möchten, macht das eine Versicherungssumme von insgesamt 32.000 €. Ein Tresor mit der Sicherheitsstufe 0 deckt Werte bis zu 40.000 € ab und wäre damit die richtige Wahl. Bei einem Brand oder Diebstahl bekommen Sie somit den kompletten Versicherungswert ersetzt. Ohne Tresor erhalten Sie nur die vorher mit der Versicherung festgelegten Limits. Diese sind von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich und belaufen sich in dieser Höhe auf etwa 25.000 €. Somit hätten Sie ohne Tresor einen Verlust von 7000 €, die Sie bei einem Schaden nicht ersetzt bekämen. Mit Tresor erhalten Sie die volle Summe von 32.000 € zurück.

Kann ich den Versicherungsschutz durch eine Alarmanlage erhöhen?

Ein gut durchdachtes Sicherheitskonzept beinhaltet meist mehr als das Aufstellen eines Tresors. Der Einbau einer VdS-zertifizierten Alarmanlage / Einbruchmeldeanlage (EMA) oder eines Abrissmelders erhöht nicht nur den faktischen Einbruchschutz, sondern ebenfalls den möglichen maximalen Versicherungswert - in der Regel verdoppelt er sich. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Versicherungsmakler.

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